Alltag

Ja, bei mir ist schein seit einer Weile hier der Alltag eingetroffen. Deswegen habe ich den Blog auch ein wenig aus den Augen verloren, weil es nun auch nicht immer so viel zu erzaehlen gibt, was es auch Wert waere. Aber jetzt dachte ich mir, warum nicht auch mal von meinem Alltag erzaehlen? Das kann ja mitunter auch sehr spannend sein! Und ich muss sagen, dass er mir ein guter Freund geworden ist, der Alltag.

Morgens ist es bei mir nicht anders als Daheim. Mein Wecker klingelt um halb 8 und ich lasse ihn klingeln und klingeln und klingeln, bis es dann doch 8:15 ist und ich aus dem Bett springe mich schnell fertig mache, weil ich eigentlich 8:15 schon am Fruehstueckstisch sitzen sollte um noch puenktlich zu kommen (obwohl das hier mit der Puenktlichkeit so eine Sache ist... ;) ). 5 vor halb 9 bin ich dann doch unten (das heisst 2 Stockwerke unter meinem) angekommen. Der Fernseher laeuft natuerlich schon, Ernesto sitzt mit grossen Augen davor und vergisst ganz sein Brot zu essen und Juta muss ihn immer wieder daran erinnern, dass er ja in den Kindergarten muss. Der Kindergarten hier ist jedoch ein wenig anders als bei uns! Hier ist es wie eine Art Vorschule. Die Kinder lernen das Alphabet aufsagen und auch schreiben und haben zwischendurch auch Tests. Am Samstag hatte Ernesto beispielsweise das Examen, um zu sehen ob er in die Schule gehen kann. Hausaufgaben gibt es auch.

Aber zurueck zum Fruehstueck. Es gbt fuer mich entweder Tee mit Zucker (das ist schlimm, ich werde langsam genauso zuckrig wie die Bolivianer hier. Zumindest ein bisschen, denn die machen auch in den suessen Kakao 3 Loeffel Zucker. Lecker.) oder eben Kakao mit Pulvermilch und Wasser (ohne Zucker! Der ist naemlich wirklich suess genug!). Manchmal gibt es auch nur Pulvermilch mit Wasser (da mach ich jedoch einen Loeffel Zucker rein, weil die Milch einfach nicht schmeckt.) Dazu gibt es ein "Brot", was wir eher als Broetchen bezeichnen wuerden. Aber lecker ists! Mit Mantequila, was Magarine ist. Die ist aber SALZIG! Schoen oder? :) Das wird in windeseile aufgegessen (mit Ablenkung vom Fernseher, der zum Glueck hinter meinem Platz steht!), weil ich eigentlich halb 9 los muss, aber wie gesagt ;)

Wenn ich gut bin schaffe ich es sogar kurz nach halb fertig zu werden, aber dann muss ich nochmal hoch rennen, weil ich meinen Rucksack vergessen hab und ihn meistens auch noch nicht gepackt, wobei das jetzt nicht so gravierend ist. Muss ja nix rein ;)

Also komme ich immer so gegen 10 nach halb aus dem Haus. Immerhin.

Die naechste Etappe ist das Bus fahren. Ich bin mir nicht ganz so sicher, ob ich darueber schon was erzaehlt habe. Ansonsten mache ich es einfach nochmal. Kann ja nich schaden.

Man darf sich Bus fahren absolut nicht wie in Deutschland vorstellen! Denn erstens gibt es hier keine Fahrkarten und zweitens auch keine Bushaltestellen. Das heisst man stellt sich einfach ein den Strassenrand, wartet bis der richtige Bus kommt (bei mir ist das die 5 oder die L) und winkt den Bus dann an den Strassenrand. Wenn man einsteigt, bezahlt man beim Fahrer seine Fahrt, was 1,50 Bolivianos kostet und fuer Studenten 1 Boliviano. Das ist unglaublich wenig, denn 1 Euro sind knapp 9 Bolivianos, aber mit der Zeit summiert sich das dann schon ;) Also stell ich mich morgens an die Ecke meiner Strasse und steigen dann in den Micro (das sind hier die Busse, sie sind wesentlich kleiner, aber dafuer kommen sie oefter). Ich muss dann nochmal umsteigen (in die A oder die 3), um zu meiner Arbeit zu kommen. Ich brauche also ungefaehr eine halbe Stunde. Wenn man aus dem Micro aussteigen will, muss man auch einfach nur "parada" oder "Esquina" oder "voy a bajar" sagen und der Bus haelt dann fast sofort an.

Auf Arbeit angekommen habe ich zwar meist nicht so viel zu tun, weil, wie ich glaube ich schonmal geschrieben habe, es ein Projekt ist, dass mit Aktionen und Projekten arbeitet, sodass im Buero nicht so viel fuer mich zu tun ist. Aber mit der Zeit habe ich gelernt meine Zeit zu nutzen. Gerade versuche ich mich an einer kleinen Schale aus alter Zeitung. Der erste Versuch ist ein bisschen schief gelaufen, aber jetzt weiss ich, wie es richtig funktioniert ;) Manchmal sitz ich auch nur am Computer (und schreibe ein bisschen an meinem Blog oder so ;) ). Auf Arbeit sind wir auch nur wenige. Manchmal nur zu 2. manchmal zu 3. und manchmal mehr ;) Ab und zu kommen andere Freiwille vorbei, die dann solche Aktionen vorbereiten. Aber von meiner Arbeit erzaehle ich ein anderes mal.

Ich arbeite Vormittags von 9 bis 12 Uhr. Dannach fahr ich wieder heim, um Mittag zu essen. Das gibt es zwischen halb 1 und um 1. Und so laeuft es ab:

Juta (oder jemand anderes, wenn sie mal nicht  da ist) haben schon schoen gekocht der Tisch ist gedeckt, dass heisst, es liegen Platzdeckchen (ich weiss nicht wie die heissen) da, es stehen Glaeser auf dem Tisch und Besteck liegt da. Und Wasser und Llajua (oder so aehnlich. Ist jedenfalls unglaublich scharf ;) Aber lecker!). Und der Fernseher laeuft.

 Das Essen wird in der Kueche auf die Teller getan und dann einzeln fuer jeden herausgetragen. Das wiederum finde ich immer noch komisch, weil dann schon alle sofort los essen, wenn sie die Teller bekommen und derjenige der in der Kueche steht sehr viel spaeter, weil wir wirklich viele Menschen sind! (9 und macnhmal 10 und manchmal mehr, weil irgendwelche Cousinen, Cousins, Tanten, Onkels oder Freunde vorbeikommen. Das hab ich noch nicht ganz durchblickt...)

Es gibt eigentlich immer eine Vorsuppe, immer Unterschiedlich und dann ein Segundo, auch sehr wechselnd, aber meistens Huehnchen mit Reis oder Nudeln, und auch Rind ist haeufig. Kartoffeln sind immer dabei. Und es ist wirklich lecker!

Hier in Bolivien ist es so, dass wenn man fertig mit essen ist und aufstehen will, man sich bei allen bedankt und alle antworten mit guten Appetit. Das war am Anfang wirklich seltsam! Aber jetzt habe ich mich daran gewoehnt! Wir essen meist bis halb oder um 2 (kommt drauf an, wann wir angefangen haben.) Dannach hab ich noch ein bisschen Pause bis halb 3. Das ist dann meine Zeit fuer Freunde und Familie in Deutschland ;) Aber manchmal sitz ich auch noch mit irgendwem (Luis oder Indi) unten auf der Couch und uebe spanisch ;)

Danach geht es wieder auf Arbeit, was am Nachmittag aehnlich ist wie am Vormittag. Nachmittags arbeite ich von 3 bis 6. Danach fahr ich entweder heim, oder treff mich mit den anderen beiden Freiwilligen oder Luis in der Stadt, wo wir dann meist einen Obstsalat essen und dann noch ein bisschen die Stadt erkunden, oder ins Kino gehen (die Filme werden hier in Originalsprache ausgestrahlt, ist das nich schoen? :) ) oder irgendwas anderes machen. Daheim gibts dann meistens Tee, wie das Fruehstueck. Abendbrot gibts hier sehr sehr selten, aber da wir so spaet Tee trinken ist das kein Ding. Und wenn ich will, kann ich mir ja auch was machen ;)

Wenn ich heim komme, laeuft auch meistens schon der Fernseher, wie er es wohl den ganzen Tag macht. Das ist wirklich ein Punkt, der mich ziemlich nervt. Staendg laeuft ueberall der Fernseher. Aber es gibt einen deutschen Nachrichtensender. Das ist schoen ;)

Abends schauen Luis und ich auch manchmal einen Film. Auf englisch mit spanischen Untertiteln ;) Aber nur Original ist legal sag ich dazu ;) Wobei das mit dem Original hier auch so eine Sache ist. Es gibt hier naemlich einfach keine Originale! Es gibt uglaublich viele Laeden mit Filmen, Serien und Computerspielen, die unglaublich billig sind! (ein FIlm kostet 7 Bolivianos. Das ist nichtmal 1 Euro. Ich werde eine ganze Tasche voller Filme und Serien mitbringen :D) Jedoch sind sie alle nur kopiert oder heruntergeladen. Das gleiche mit der Musik. Uerball, aber nirgendwo original. Unglaublich, aber absolut nicht schlimm ;)

So in der Art laueft bei mir ein Tag in der Woche ab.

Das Wochenende sieht ein bisschen anders aus und da gibts auch keine richtige Regel. Morgens wird ausgeschlafen und die Nacht ist meist lang. Das ist die einzige Regel, die es gibt. Ansonsten ist es immer unterschiedlich!

 

Mit meiner Familie verstehe ich mich super, ich fuehle mich superwohl und mein Spanisch wird auch immer besser :) Ich hab auch schon ein paar wunderbare Menschen kennen gelernt un ich bin gespannt, wann ich endlich die Familie durchblicke. Ich haette zu gern mal ein Familienfoto, wenn das ueberhaupt moeglich ist :D

 

Soviel zu meinem Alltag. Ich hoffe, das ist zu durchblicken ;) Wenn nicht, ich beantworte gerne Fragen ;)

 

Mit den allerbesten Gruessen, aus dem wirklich wirklich warmen Sucre

 

Leila

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Kommentare: 2
  • #1

    leaa (Samstag, 27 Oktober 2012 13:44)

    oh leila, das klingt sehr chaotisch, aber wie für dich gemacht und irgendwie wunderschön. kann ich mir richtig gut vorstellen, wie du dich da reinpasst. Vielleicht komm ich dich doch eben doch mal besuchen :D
    <3

  • #2

    b.c (Donnerstag, 01 November 2012 18:18)

    Ich finde es echt unglaublich interessant, deine Einträge zu lesen, denn ich würde wirklich sehr gern auch so ein Jahr im Ausland machen.
    Viel Spaß und eine tolle Zeit noch :)